EBAKIS – Ethische Begleitung für die Anwendung künstlicher intelligenter Systeme

EBAKIS - Innovativ – Ethisch – Konstruktiv. Eine Hinführung
Bis der Mensch eine digitale Technologie in den Händen hält und bis er mit ihr schließlich im Alltag selbstverständlich umgehen kann, ist es ein längerer Weg. Denn die Wegstrecke von der Zielvorstellung eines digitalen Produktes bis hin zu dessen Anwendung steht immer wieder vor technischen Herausforderungen. Diese zu bewältigen, erfordert technisch-informatische Kompetenzen, mit deren Hilfe die Planungs- und Entwicklungsschritte auf dem Weg hin zu ihrer Anwendung modifiziert werden können. Leitend ist stets der funktionale Anspruch, dass das digitale Produkt technisch robust und sicher ist und zugleich technische Kernanforderungen, die man auch als technische Werte bezeichnen kann, erfüllt. Auf diese Weise rückt die reibungslose Funktionalität der technischen Funktionen als Leitbild ins Zentrum, um möglichst vertrauenswürdige digitale Technologien zu produzieren. Auch wenn der Prozess zur Gewährleistung des funktionalen Anspruchs häufig als ein ethischer Prozess überschrieben wird, durch den das digitale Produkt gewissermaßen den Stempel ‚ethisch‘ im Sinne von ‚vertrauenswürdig‘ zu erhalten scheint, ist dies ein kategoriales Missverständnis.
Sowenig digitale Technologien ethisch sind, wenn sie möglichst reibungslos funktionieren, sowenig sind ethische Konzepte, Methoden und Instrumentarien technisch, wenn sie auf digitale Technologien angewendet werden. Auf diese Weise wird die Technologie unter der Hand in eine ethisch verpackte Mogelware verwandelt und die Ethik selbst zu einer reinen Worthülse, in der sie selbst entleert ist. Ich verfolge seit einigen Jahren mit der Unterstützung meines Teams das Ziel, eine im echten Sinne zu verstehende Ethische Begleitung für die Anwendung künstlicher intelligenter Systeme (EBAKIS) zu entwickeln und auszugestalten. Diese Begleitung hat nicht abstrakt und rein theoretisch
zu sein. Im Gegenteil. Sie intendiert, mit Hilfe von partizipativen Entscheidungsfindungen die gesamte Kette von der Zielvorstellung bis hin zur Anwendung einer digitalen Technologie ethisch zu begleiten. Denn jeder weitere technisch implementierte Schritt im Rahmen der Planung, Entwicklung, Gestaltung und Anwendung einer neuen Technologie hat Auswirkungen auf den Menschen, sein Leben, seine Gewohnheiten und sein Handeln, die zu verantworten sind.
Für EBAKIS sind folgende Kernfragen leitend, die beantwortet, gewichtet und bewertet werden:
Was ist der Zweck der geplanten Technologie? Mit welchem Ziel wird es entwickelt? Welchen Beitrag leistet es für ein Unternehmen, eine Institution, eine öffentliche Einrichtung? Für das Allgemeinwohl? Für die Einzelne oder den Einzelnen?
Welche Funktion(en) werden Schritt für Schritt implementiert? Welche Chancen und Risiken gehen mit dieser bzw. diesen Funktion(en) aus ethischer Perspektive jeweils einher?
Welche Konflikte entstehen zwischen den jeweiligen technischen Funktionen und ethisch anthropologischen Werten?
Für welche Funktionen sollte man sich entscheiden, um die Konflikte zu vermeiden oder sie auszuhalten? Um die Funktionalität zu gewährleisten und dem Menschen nicht zu schaden?
Welche ethischen Prinzipien sind in dem Kontext, innerhalb dessen die geplante Technologie eingesetzt werden soll, die zentralen ethischen Orientierungen?
Wie lassen sich diese ethisch-kontextuellen Prinzipien mit den kontextuellen Bedingungen und Bedingtheiten und der neuen Technologie vermitteln? Oder gelingt es nicht?
EBAKIS wurde bereits entwickelt, die ‚selbstverständliche‘ Anwendung steht noch aus. Dies hat primär seinen Grund darin, dass Ethik im Rahmen von MINT-Fächern lediglich eine ‚Huckepackfunktion‘ zugesprochen bekommt. Sie ist nicht partnerschaftlich neben der Technologie verortet, sondern hat auf ihrem Rücken zu sitzen hat.
Umso bedeutender und wichtiger ist es, dass Ethik im Rahmen des Projektes KI4TUK explizitmit Mathematik, Informatik und Physik am Prozessverlauf gleichberechtigt beteiligt war. Ziel des Projektes war es, im Rahmen von mathematischen Lehrveranstaltungen in den Anfangssemestern eine Technologie auf den Weg zu bringen, die ein individualisiertes Lernen ermöglicht. Auf diese Weise sollten möglichst vielen Studierenden die Chancen eröffnet werden, sich die er forderlichen Kompetenzen je nach eigenem Lerntempo und Vorwissen anzueignen.
Handreichung: Ethische Begleitung für die Anwendung künstlicher intelligenter Systeme
Die Handreichung (https://doi.org/10.26204/KLUEDO/9350) von Karen Joisten, Anke Janssen und Nicole Thiemer, in der auch diese Hinführung enthalten ist, veranschaulicht EBAKIS am Beispiel des Projektes KI4TUK.
Weiteres Anwendungsbeispiel:
Bürgergutachten: Kontaktlose Infektionskontrolle an der Kliniktür

